Im Jahre 1870 am 23. Mai, im 24. Jahre des glorreichen
Pontifikates Pius´IX., während der Tagung des Ökumenischen
Vatikan-Conciliums zu Rom und unter der glücklichen Regierung des
Großherzogtums Baden durch Se. Königliche Hoheit, Friedrich,
Großherzog von Baden, zur Zeit des Sedivacanz des Erzbischöflichen
Stuhles zu Freiburg, unter dem Kapitelsvikariat des Hochw. Bischofs
von Leuca (i.p.inf.) Lothar von Kübel, wurde von dem
unterzeichneten Pfarrer der Pfarrei Uissigheim in Gegenwart und
unter frommer Teilnahme der hiesigen Kirchengemeindevertretung, des
Schulrates und der ganzen Pfarrgemeinde der Grundstein zu dieser
allerheiligsten Dreifaltigkeitskapelle feierlich nach
römisch-katholischem Ritus gesegnet und gelegt, und diese Urkunde
mit Kirchen- und Gemeindesiegel versehen, so beglaubigt zur
Nachricht für unsere Nachkommen in denselben Grundstein
eingemauert.Der ehrenwerte Zimmermeister Georg Blatz von Neubrunn
hat die Errichtung dieser Kapelle um die Summe von 1640 Gulden
übernommen. Die Maurerarbeiten wurde ausgeführt von Joseph Günzer
und Franz Joseph Würzberger, die Steinhauerarbeit von Heinrich
Traub, die Schlosserarbeit von Philipp Hübner, alle von hier. Die
Summe von 1640 fl. wurde von den Guttätern, deren Namen auf dem
Wandstein rechts vor der Türe in der Kapelle eingegraben sind,
durch freiwillige Beiträge zusammengebracht, nachdem im Jahre 1869
die 14 Stationen des hl. Kreuzweges, in Stein gehauen von
Bildhauer K. Buscher in Gamburg, vor der Kapelle ebenfalls durch
freiwillige Opfer errichtet worden waren. Nach dem Willen der
Hauptguttäterin ist dieses Gotteshaus der Allerheiligsten
Dreifaltigkeit gewidmet.
Die Pfarrgemeinde Uissigheim besteht aus
einer Seelenzahl von 710,, welche alle ohne Ausnahme katholischen
Glaubens sind, wie es auch ihre Vorfahren immer waren. Die hl.
österliche Kommunion empfingen in diesem Jahr alle Pflichtigen 469
an der Zahl.
Die Zahl der Schulkinder beträgt zurzeit 94 unter
einem Lehrer namens Guido Scholl, geboren in Schweinberg.
Die Stiftungskommission
besteht aus: Pfarrer Bernhard Mayland, Bürgermeister Franz Michael
Berberich und den Landwirten Michael Joseph Meininger, Wilhem
Walter, Franz Joseh Kaufmann und Franz Joseph Preundschuh.
Kirchenfondsrechner ist Kaufmann Adolf Hübner, Mesner ist Landwirt
Wilhem Haag.
Den Gemeinde- und Ortsschulrat bilden: Bürgermeister
Franz Michael Berberich und die Gemeinderäte Franz Joseph
Pfreundschuh, Wilhelm Walter und Georg Joseph Berberich.
Ratschreiber ist Franz Josef Valentin Krug, Polizeidiener ist Karl
Magnus Hübner.
In diesem Jahre kosten die Nahrungsmittel wie
folgt: 1 Malter Korn 9 fl., Gerste 9 fl., Spelz 5 fl., Hafer 5 fl.
30 Kr., Kartoffeln 2 fl. 30 Kr., 1 Zentner Heu 2 fl., ein Pfund
Rindfleisch 15 Kr., ein Pfund Brot 3 Kr. Indem wir unseren späteren
Nachkommen bei Auffindung und Lesung dieser Urkunde aus
unseren Gräbern Gottes Gruß und Segen zurufen werden, hoffen und
wünschen wir jetzt, daß sie mit uns stets in treuem Glauben an
Gott und an die Katholische Kirche leben und endlich in diesem
Glauben selig sterben mögen.
So geschehen: Uissigheim, den 23.
Mai 1870
(Es folgen die Unterschriften der Stiftungskommission und
des Gemeinderates, nebst Pfarr- und Gemeindesiegel.)